Freitag, 18. Juni 2010

Es ist ein Kreuz ohne Rückgrat


Am 4. Juni 2010 erschien In der Wochenzeitung “Junge Freiheit” folgender Leserbrief zum Artikel “Holzelement”-Urteil von Claus-M. Wolfschlag:


Es ist ein Kreuz ohne Rückgrat


Ihr Bericht paßt zu einer aktuellen Meldung, derzufolge Niedersachsens Gerichte “fast kreuzfrei” sind. Warum geht kein Aufschrei durch die Bevölkerung, wo ist der Restbestand an Christen in unserem Lande? Es ist mit Sicherheit kein Grund zum Jubeln, wenn wir beflissen unsere Kruzifixe in den Gerichten abnehmen. Wir sollten unsere Vergangenheit und unser Erbe annehmen, aber nicht rückgratlos jedem Angriff auf unsere abendländische Kultur nachgeben: Sei es durch eine türkische Ministerin in Niedersachsen, durch den Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland oder den hannoverschen Anwalt Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden. Es wird Zeit, daß wir Nationalstolz entwickeln.

Dorit Kosian, Bad Nenndorf

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Auf dem Vorgängerblog "www.scheunenkreuz.de" wurden hierzu folgende Kommentare gepostet:

ein buerger schrieb am 22. Jun. 2010

Von dieser Zeitung hat man ja auch keine andere Reaktion erwartet ;)

gruss

ein buerger

Melinda schrieb am 16. Aug. 2010

Nuja, die Sache zeigt, wie gut es uns doch geht. Dass Nachbar hier und Nachbar dort, Zeit und Muße haben, sich über so etwas zu zoffen.
Ein Pakistani würde dieser Tage nur den Kopf schütteln, hörte er von so einer Sache.
Melinda

Heinrich Drager schrieb am 15. Okt. 2010

Haben Sie sonst keine Probleme? So viel Aufwand.

…suaviter in modo




Freitag, 28. Mai 2010

Das “Holzelement-Urteil”


Am 21.05.2010 erschien in der Wochenzeitschrift Junge Freiheit (JF 21/10) folgender Artikel von Claus-M. Wolfschlag zu dem Amtsgerichtsurteil in Sachen Scheunenkreuz:


Der hiesige Streit um das öffentliche Zeigen von Kreuzen, unlängst von der niedersächsischen Ministerin Aygül Özkan neu entfacht, schwelt selbst in der Provinz. 2008 hatte der bekennende Christ Klaus Braungart aus dem hessischen Rödermark eigenmächtig ein 1,40 Meter großes Holzkreuz an der Wand seiner sanierten Fachwerkscheune angebracht. Diese grenzt direkt an das Gartengrundstück des sich provoziert fühlenden Nachbarpaares Müller, das das Kreuz erst mit einer Plane verhüllte (JF 24/08), dann in der Karwoche 2009 gewaltsam von der Scheunenwand trennte und über Braungarts Hoftor warf. Braungart konstatierte, daß es gar nicht um antichristliche Affekte, sondern um Rache für die Gartenverschattung durch die nicht abgerissene Scheune ginge. Im folgenden Rechtsstreit hat nun das Amtsgericht Langen dem Ehepaar Müller, juristisch vertreten vom örtlichen Vorsitzenden der CDU-Fraktion, Recht gegeben: Braungart hätte das Kreuz nicht ungefragt anbringen dürfen, selbst wenn dies auf seinem Grundstück passierte. In der Urteilsbegründung vermied die Richterin allerdings tunlichst das Wort “Kreuz”, sprach nur von einem “Holzelement”. Das erinnerte dann doch etwas an die DDR-”Jahresabschlußfigur”. Das gesamte Verfahren ist im Internet unter www. scheunenkreuz de dokumentiert.

Claus-M. Wolfschlag

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Jungen Freiheit.

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Auf dem Vorgängerblog "www.scheunenkreuz.de" wurde hierzu folgender Kommentar gepostet:

Da sieht man es mal wieder!

Deutschland ist schon lange kein Rechtstaat mehr - bzw. war nie einer. Die sogenannte Justiz urteilt nach eigenem Dünken. Möchte wissen wessen Interessen die eifrige Richterin vertritt.

Das ist nicht bloß eine Meinung. Fakt ist, dass die BRD längst nicht das ist, was wir meinen. Wer das nachprüfen will, der höre sich den Vortrag von Andreas Clauss bis zum Ende an:

http://www.youtube.com/watch?v=CXzHT44vFnE&feature=related

Grüße

der held-der-arbeit

Mittwoch, 26. Mai 2010

Berufung


Zu Wochenbeginn habe ich durch meinen Anwalt beim Landgericht Darmstadt gegen das Urteil des Amtgerichts Berufung eingelegt. Dabei wird der Antrag gestellt, die Sache in die I. Instanz zurückzuweisen und unter Abänderung des angefochtenen Urteils des Amtsgerichts Langen die Beklagten (Ehepaar Müller) als Gesamtschuldner nach dem Klageantrag I. Instanz zu verurteilen [siehe hier und hier] (d. h. sie dazu zu verpflichten, zur Wiederanbringung des Scheunenkreuzes den von mir damit beauftragten Handwerkern freien Zugang durch ihr Grundstück zu meiner Scheunenwand zu gewähren und die Kosten für die Wiederanbringung und Wiederherstellung des beschädigten Scheunenkreuzes zu tragen).

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Auf dem Vorgängerblog "www.scheunenkreuz.de" wurde hierzu folgender Kommentar gepostet:

held-der-arbeit schrieb am 14.Jun.2010

Richtig so! Ob die Kosten wieder reinkommen?

Ich habe einen Vorschlag: Der Herr Nachbar würde eine Großleinwand an der umstrittenen Scheune sicher nicht abbauen, sondern begrüßen.

Herr Müller wäre eifrig bemüht alle zehn Minuten zehn Cents in einen Schlitz zu werfen, um darauf alle WM-Spiele verfolgen zu können. Ein Getränkeautomat mit reichlich Biervorrat rundet die Einnahmen ab.

Schätze gegen Ende der Weltmeisterschaft wären damit die Kosten wieder gedeckt - zumal Fußball verbindet. Die Nachbarschaft hätte sicher auch Interesse an so einer Leinwand.

Man muss eben nur mit dem Zeitgeist gehen. Die Leute wollen Brot und Spiele - während die Politiker uns das Grundgesetz auf der Tasche fingern.

Das Scheunenkreuz war herdentechnisch gesehen eine schlechte Wahl. Wer will sich heutzutage denn noch mit Werten identifizieren, die Verantwortung, Mut und vielleicht - oh Gott! - Tatkraft erfordern?

Grüße

der held-der-arbeit 

Freitag, 23. April 2010

“Angst vor dem, der am Kreuz hängt?”


Leserbrief in der Offenbach Post vom 22. 04. 2010:

Zum Urberacher Kreuz-Streit:


[...] Sehr bedauerlich ist es schon, dass eine Richterin, aus welchem Grund auch, die Gerichtsverhandlung sehr kurz führte und beschämender Weise das Wort Kreuz nicht erwähnte, sondern es als Holzelement bezeichnete. Hat die Dame eventuell Angst vor dem, der an diesem Kreuze hängt und sie irgendwann vor dessen Richterstuhl steht und gesagt bekommt. “Ich kenne diesen Menschen nicht”. Es ist dann möglich, dass sie dann erwidert, ich habe kein Urteil über dich, Herr, gefällt, sondern über ein Holzelement.

Wo es mir allerdings den Hals zuschnürt, ist, dass ein katholischer Priester, der den kurzen Prozess verfolgte, so wenig Mut hatte, die Dame in die Schranken zu weisen. Dem unmutigen Herrn und seinen Glaubensbrüdern sei gesagt: Glaubt Ihr auch schon nicht mehr an Christus, da Ihr so wenig Mut habt? Es steht geschrieben, wenn Ihr vor Gericht steht, fürchtet Euch nicht, ich werde aus eurem Munde sprechen.

Ich hatte in einem Taunusdorf einen Onkel, welcher erfuhr, dass in einem Landschulheim alle Kreuze von der Waffen-SS entfernt werden sollten. Er stellte sich am nächsten Tag vor die Eingangstür und rief den Schergen zu: Ihr kommt nur über meine Leiche herein! Nach circa einer Stunde fuhren die Offiziere wieder weg. So mancher Mensch, der den Herrgott missachtete, nahm in seiner Sterbestunde ein Kreuz und flehte um Verzeihung. Ein ganz wichtiger Satz von Jesus war. Wenn Ihr mich vor den Menschen bekennt, so werde auch ich Euch vor dem Vater bekennen.

Hermann Ufrecht, Mühlheim

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Auf dem Vorgängerblog "www.scheunenkreuz.de" wurden hierzu folgender Kommentar gepostet:

held-der-arbeit schrieb am 14. Jun. 2010

Ich glaube nicht, dass die Richterin Angst vor dem lieben Gott hat - sonst hätte sie die Dinge beim Namen genannt. Ich glaube, sie will vermeiden, dass sich am Scheunenkreuz ein christliches Selbstbewußtsein entzündet. Die Betonung liegt hier auf “Selbstbewußtsein”.

Denn das ist es, was denen da oben gefährlich werden kann. So lange wir wie Schafe alles hinnehmen, bleibt alles so wie es ist - bzw. wird noch schlimmer. Solange wir uns dumm und klein halten lassen, beraubt unserer Identität und Integrität, werden “die” machen was sie wollen. Der sogenannte Rechtstaat ist bloß ein Deckmantel.

Dass wir von den Pfaffen nichts erwarten können - außer ein paar wenigen Ausnahmen - ist ja wohl nichts Neues.

Merke: Wer mit der Herde geht, kann nur den Ärschen folgen.

Grüß

der held-der-arbeit


 

Dienstag, 30. März 2010

300 Tage Planenverhüllung, ein Tag sichtbares Kreuz


Kritik am Amtsgerichtsurteil


Im folgenden schildere ich kurz den Verlauf der Gerichtssitzung vom 12.02.2010 und gehe dann auf die schriftliche Urteilsbegründung ein.

Die Richterin am Amtsgericht Langen Kirsten Prass kam mit achtminütiger Verspätung zu der auf 15 Minuten angesetzten Sitzung, zu der sehr viele interessierte Bürger gekommen waren (der Sitzungsaal reichte für das Publikum, darunter übrigens auch der Langener Amtsgerichtspräsident Volker Horn, gerade aus). Als erstes wies Richterin Prass die anwesenden Fernseh- und Presseleute an, ihre Kameras auszuschalten. Mit der Sitzungseröffnung stellte sie die Anwesenheit der widerstreitenden Parteien fest. Unmittelbar darauf stellte der Beklagtenanwalt Michael Gensert, der auch als Vorsitzender der Rödermärker CDU-Fraktion fungiert, den Antrag, die Klage erst gar nicht zuzulassen, mit der Begründung, daß das in Hessen seiner Meinung nach in diesem Fall vorgeschriebene Schiedsgerichtverfahren nicht fristgerecht durchgeführt worden sei. Die Richterin reagierte prompt mit den Worten, das sei vom Tisch, das spiele hier keine Rolle mehr. “Sie sind die Chefin”, lenkte Gensert schmunzelnd ein.

Danach nahm Prass Bezug auf den Streitfall und sprach dabei von dem Kreuz immer nur von einem “Holzelement”; diesen Ausdruck benutzte sie insgesamt, wie ich mitgezählt habe, achtmal. Unter den Zuhörern befand sich inmitten der Anhängerschar der Kreuzschänder Urberachs katholischer Pfarrer Klaus Gäbler, der sich zu keiner Zeit auf den Plan gerufen fühlte, hier für das Kreuz einzutreten, womit er sich für mich endgültig als Gottesmann disqualifiziert hatte.

Im Stakkadostil trug die Richterin ihre vorgefertigt anmutende Beurteilung des Falles vor. Sie bezeichnete die Scheunenkreuzwand mehrfach als Grenzwand und damit wurde deutlich, daß sie von einer falschen Grundlage ausging. Mein Rechtsantwalt Hubert Ley versuchte klarzustellen, daß es sich bei dieser Wand nicht um eine Grenzwand handele, das heißt daß die Wand nicht direkt auf der Grundstücksgrenze steht (womit sich automatisch auch der Strafbestand des Hausfreidensbruchs ergibt). Prass würgte diesen Einwand mit dem apodiktischen Ausspruch: “Hier handelt es sich um eine Grenzwand” ab, den auch der Beklagtenanwalt unterstützend wiederholte.

Spätestens jetzt wurde deutlich, wie die Richterin urteilen würde, und mein Anwalt stellte vorsorglich noch schnell einen Hilfsantrag, die Beklagten zur Zustimmung zur Wiederanbringung des Kreuzes zu verpflichten.

Mir erschien das ganze wie eine Farce und ich versuchte meinerseits zu erläutern, daß und warum es sich hier nicht um eine Grenzwand handelt, wurde aber von der Vorsitzenden Prass abgewürgt mit den Worten: “Es ist zu spät, ich habe die Verhandlung soeben geschlossen.” Eine Verhandlung, die für mich keine Verhandlung war: In den knapp acht Minuten wurde nichts verhandelt, sondern nur verfahren. Denn weder mein Rechtsanwalt noch ich selbst hatten die Möglichkeit, zum Sachverhalt überhaupt Stellung zu nehmen. “Bitte verlassen Sie den Saal” war der Richterin letztes Wort. Die Saaltür öffnete sich, und schon drängten die nachfolgend Rechtssuchenden in den Sitzungssaal.

Gut zwei Wochen später erreichte uns die schriftliche Urteilsbegründung, die auch in voller Länge hier auf diesem Blog dokumentiert ist.

Ich greife nun einige Punkte aus diesem Schriftsatz heraus, um deutlich zu machen, warum für mich hier Unrecht gesprochen wurde.

In der Urteilsbegründung wird behauptet, daß ich das Kreuz rechtswidrig angebracht hätte und daß deshalb das eigenmächtige Absägen des Kreuzes durch den Nachbarn legitim sei. Im Wortlaut der Urteilsbegründung:
„Zwar haben die Beklagten das an der Giebelwand befindliche Holzelement eigenmächtig entfernt. Allerdings hatte der Kläger selbst rechtswidrig gehandelt, als er im Mai 2008 die zum Grundstück der Beklagten zeigende Giebelwand gestaltete, ohne um die Zustimmung der Beklagten zu ersuchen.“
Halten wir fest: Die Beklagten haben also laut Urteilsschrift mit dem Absägen des Kreuzes „zwar“ eigenmächtig (Selbstjustiz) gehandelt, diese Selbstjustiz und diese Sachbeschädigung und dieser Hausfriedensbruch (?) wird dann aber im nächsten Satz damit legitimiert, daß ich ja das Kreuz rechtswidrig angebracht hätte.

Hierzu ist zu bemerken: Das Kreuz hing ein ganzes Jahr lang, nämlich vom 15. Mai 2008 bis zur Müllerschen Absägeaktion am 3. April 2009, an der Scheunenwand. Die Nachbarn hatten es nicht nur bereits 24 Stunden nach seiner Anbringung mit einer Bauplane verhüllt, sondern hatten auch Rechtsanwalt Michael Gensert damit beauftragt, juristisch gegen das Kreuz an der Scheunenwand vorzugehen. Wenn nun Richterin Prass behauptet, die Kreuzanbringung sei rechtswidrig, stellt sich natürlich die Frage: Warum war Gensert dann in seinen juristischen Bemühungen so erfolglos. Ein Jahr lang hing also „rechtswidrig“ ein Kreuz an der Scheunenwand. Wie durch Presseartikel dokumentiert ist, war Rechtsanwalt Gensert bereits seit Juni 2008 mit dem Müllerschen Auftrag unterwegs, die Entfernung des Kreuzes auf dem Rechtswege zu erwirken. Er hatte also 10 Monate Zeit, aber wirklich auf den Weg gebracht hatte er nichts, jedenfalls nicht auf den Rechtsweg, so hatte er keine Klage erhoben, obwohl doch, wie die Richterin Prass meint, das Kreuz rechtswidrig angebracht worden sei. Wenn doch das Kreuz rechtswidrig an meiner Scheunenwand hing, hätte doch eine Klageerhebung alle Chancen auf Erfolg haben müssen. Statt dessen entschied sich die Gegenseite für den kurzen Prozeß, der jetzt von Richterin Prass abgesegnet wird. Ein unglaubliches Signal hinaus ins Land an alle, die bislang noch vor Selbstjustiz, Hausfriedensbruch und Zerstörung fremden Eigentums zurückgeschreckt sind. In diesem Zusammenhang paßt übrigens, daß der Vater von Rechtsanwalt Gensert, wie mir aus sicherer Quelle zugetragen wurde, Monate bevor das Kreuz abgesägt worden war, auf einer CDU-Wahlveranstaltung am Biertisch vollmundig bekundete: „Wenn’s mein Hof wär, dann hätt’ ich’s längst runtergerissen.“

Die Urteilsschrift begründet die Rechtswidrigkeit der Kreuzanbringung damit, daß ich den Nachbarn vor der Anbringung des Kreuzes nicht um dessen Zustimmung ersucht hätte. Dann wäre aber auch die vom Nachbarn ausgeführte Verhüllung des Kreuzes (geschweige denn das später dann erfolgte heimtückische Absägen des Kreuzes) gleichermaßen rechtswidrig, also die Aufstellung eines Baugerüsts direkt auf der Grundstücksgrenze mit dem alleinigen Zweck, daran eine großflächige Bauplane anzubringen, um damit die von mir gewünschte Ansicht meiner Scheunenwand monatelang eklatant zu entstellen. Denn Nachbar Müller hatte bei mir nicht um Zustimmung für diese direkt an der Grundstücksgrenze vorgenommene Verunstaltung der Optik meiner Wand ersucht.

Weiter heißt es in der Urteilsbegründung, ich hätte mir, als ich zusammen mit zwei Freunden das Kreuz an der Scheunenwand anbrachte, den Zugang zum Nachbarschaftsgrundstück erschlichen. Ich hätte ihnen vorgelogen, Reparaturarbeiten an meiner Scheunenwand ausführen zu wollen. Richtig ist: Im Abstand von ungefähr je einer Woche, klingelte ich insgesamt dreimal am Müllerschen Hoftor. Immer wurde nur ein Fenster geöffnet und ich wurde mit der Formel „Was ist?“ begrüßt. Ich sagte jedes Mal nur, daß ich etwas an meiner Wand zu tun hätte und daher ihren Hof betreten müßte und fragte, wann das möglich wäre. Die schroffe Antwort war bei den ersten beiden Malen nur: „Heut’ nicht!“ Erst beim dritten Anlauf, am Donnerstagmorgen, den 15 Mai 2008, erlaubten sie mir den Zutritt für fünf Uhr nachmittags. Zu keiner Zeit habe ich irgendwelche Angaben darüber gemacht, was genau ich an meiner Wand zu tun hätte, und wurde von den Müllers auch nie danach gefragt. Auch lasse ich mir hier keinen Argwohn unterstellen. Um 17 Uhr öffneten uns Hans und Helga Müller das Hoftor. Mit zwei großen Leitern, diversen Werkzeugen und einer Kreuzschablone in der Größe des Originalkreuzes zur Anzeichnung der Bohrlöcher in Händen betraten wir den Hof. Die Müllers erweckten nicht den Anschein, als ob sie sich sonderlich dafür interessierten, was genau wir vorhatten, denn sie gingen dann gleich ins Haus und schlossen die Haustür hinter sich zu.

Weiterhin wird in der Urteilsschrift behauptet, bei der Scheunenkreuzwand handele es sich um eine Grenzwand, also eine Wand, die unmittelbar an das Nachbarschaftsgrundstück angrenzen würde. Hier muß ich der Richterin vorwerfen, daß sie allem Anschein nach die Gerichtsakte nicht eingehend studiert hatte. Denn in ihren Akten befand sich eine beglaubigte Abschrift vom Amt für Bodenmanagement in Heppenheim, woraus deutlich ersichtlich ist, daß die Scheune, auch zum Müllerschen Grundstück hin, von einem Dachtraufrecht umgeben ist. Das heißt ein circa 20 cm breiter umlaufender Geländestreifen jenseits der Wand gehört noch zu meinem Grundstück. Diese Rechtslage wird zudem durch zwei Tatsachen unumstößlich bestätigt: Eine Gartenhütte, die Müller direkt an die Scheunenwand angebaut hatte, musste im Jahr 2006 auf Betreiben der Bauaufsichtsbehörde in Dietzenbach aus just diesem Grunde wieder entfernt werden. Zum zweiten befindet sich auf der Scheunenrückwand eine Schlupftür, die den Zugang auf den zu meinem Grundstück gehörenden Dachtraufstreifen zwischen der Müllerschen Garage und der rückwärtigen Scheunenwand ermöglicht. Eine solche Schlupftür müßte bei einer Grenzbebauung sofort zugemauert werden.

Um ihre Behauptung zu unterstützen, daß es sich hier um eine Grenzwand handele, beruft sich Richterin Prass auf nichts weiter als die Inaugenscheinnahme eines Lichtbildes und erklärt, zwischen der Scheune und der Müllerschen Garage sei kein Dachtraufrecht zu erkennen, da die Garage direkt an die Scheunenwand angebaut sei, ergo sei die Scheunenkreuzwand (die Scheunengiebelwand) auch eine Grenzwand. Im Wortlaut der schriftlichen Urteilsbegründung:
„Aus den vom Kläger selbst als Anlage zur Klageschrift zu den Akten gereichten Lichtbildern (insbesondere Bl. 13 d.A.) ist erkennbar, dass unmittelbar an die Scheune des Klägers ein Gebäude angebaut wurde, welches auf dem Beklagtengrundstück steht. Daraus kann aber nur geschlossen werden, dass die Scheunenwand direkt an der Grenze errichtet ist.“
Hier irrt Kirsten Prass in zweifacher Hinsicht. Erstens: Selbst wenn an der Längsseite der Scheune kein Dachtraufrecht läge, kann daraus nicht automatisch der Schluß gezogen werden, daß das auch bei anderen Seiten des Gebäudes so der Fall sei. Zweitens urteilt hier die Richterin auf bloßen Augenschein eines Lichtbildes hin, welches in der fraglichen Hinsicht überhaupt keine Beweiskraft besitzt, denn auf dem Foto kann man den zum Dachtraufrecht gehörenden Geländestreifen zwischen Scheune und Garage nicht einsehen, weil der Zugang zu diesem Grundstückstreifen vermauert ist.

All diese Einwände hätte ich gerne im Laufe einer Gerichtsverhandlung zur Sprache gebracht. Doch was ich hier erleben mußte, hat meinen bisher tief verankerten Glauben an unseren Rechtsstaat erschüttert. Denn ich habe die Klage mit der Erwartung eingereicht, daß hier eine faire, unparteiische Verhandlung geführt wird, in der die Sichtweisen und Argumente aller am Prozeß Beteiligten wirklich angehört und objektiv gegeneinander abgewogen werden. Hiervon konnte leider keine Rede sein.

Beurteilt nach schulischem Benotungssystem: Eine glatte Sechs.

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Auf dem Vorgängerblog "www.scheunenkreuz.de" wurde hierzu folgender Kommentar gepostet:

Heinrich Drager schrieb am 15. Okt. 2010
Worüber der Laie immer irrt: In der Verhandlung wird nicht mehr viel besprochen, denn dann würde jede Verhandlung Stunden dauern. Die Verhandlung wird durch die Schriftsätze der Anwälte vorbereitet, und wenn hier noch etwas unklar ist, wird darüber mit den Parteien gesprochen. Die Verhandlung ist nicht dazu da, dass die Parteien nochmal sagen, was sie für Recht und Richtig halten.

Dienstag, 23. März 2010

Strafanzeige, Einstellung und Wiederaufnahme der Ermittlungen


Zusätzlich zur Erhebung der Privatklage beim Amtsgericht Langen hatte ich am 17.04.2009 auch eine Strafanzeige gegen Johann Müller wegen Sachbeschädigung (eigenmächtiges Absägen und Beschädigen des Scheunenkreuzes und eigenmächtiges Absägen eines der Dachentwässerung meines Nebengebäudes dienenden Fallrohrs) gestellt.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt teilte mir jedoch mit einem Schreiben vom 14.09.2009 mit, daß sie das Ermittlungsverfahren eingestellt habe.

Da ich der Begründung („fehlendes öffentliches Interesse“, „keine über den Lebenskreis der Beteiligten hinausgehende Störung des Rechtsfriedens“) nicht folgen konnte, ließ ich durch meinen Anwalt eine Dienstaufsichtsbeschwerde einlegen.

Mit Schreiben vom 03.02.2010 teilte daraufhin die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main meinem Anwalt mit, dass auf die Dienstaufsichtsbeschwerde hin die Ermittlungen wieder aufgenommen würden. Hier die beiden Schreiben im Wortlaut:

Schreiben der Staatsanwaltschaft Darmstadt vom 14.09.2009: Einstellung der Ermittlungen:

In dem Ermittlungsverfahren

gegen Müller,

wegen des Verdachts der Sachbeschädigung

zum Nachteil des Braungart

wird der Anzeigenerstatter mit der Strafanzeige vom 17.04.2009 auf den Weg der Privatklage verwiesen.

Gründe:

Das Gesetz sieht für die Verfolgung von Vergehen der angezeigten Art in erster Linie den Weg der Privatklage vor. Die Staatsanwaltschaft darf gemäß § 376 Strafprozessordnung von Amts wegen nur tätig werden , wenn ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht. Die Prüfung des Sachverhalts hat ergeben, dass diese Voraussetzung hier nicht vorliegt.

Der Vorfall hat weder nach seinen Umständen noch nach der Bedeutung der Folgen zu einer über den Lebenskreis der Beteiligten hinausgehende Störung des Rechtsfriedens geführt.

Dem Verletzten steht es frei, gegen den bzw. die Beschuldigten im Wege der Privatklage bei dem Amtsgericht vorzugehen. Dieser Weg reicht aus, ihm Rechtsschutz zu gewähren und Genugtuung zu verschaffen.

Die Frist zur Stellung des Strafantrags beträgt drei Monate seit Kenntnis von Tat und Täter. Die hier erstattete Anzeige würde, sofern sie innerhalb dieser Frist eingegangen ist, zur Fristwahrung im Privatklageverfahren genügen.

Durch die Verweisung auf den Weg der Privatklage werden etwaige vermögensrechtliche Forderungen oder Ansprüche auf Schadenersatz nicht berührt.

Die Erhebung der Privatklage muss in aller Regel eine Sühneverhandlung vorausgehen. Nähere Auskünfte hierüber erteilt der Schiedsmann, in dessen Bezirk der Beschuldigte wohnt.

Löhndorf
Amtsanwältin

Schreiben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main vom 03.02.2009, Wiederaufnahme der Ermittlungen:

In dem Ermittlungsverfahren

gegen Georg Johann Martin Müller

wegen des Verdachts auf Sachbeschädigung in 2 Fällen

wird die Dienstaufschichtsbeschwerde des Herrn Klaus Werner Braungart in Rödermark, vertreten durch die Rechtsanwälte Ley, Galler, Dr. Engler in Kelsterbach, vom 22. 09. 2009 der Bescheid der Staatsanwaltschaft Darmstadt vom 14. 09. 2009 (Aktenzeichen 1450 Js 19819/09)

aufgehoben.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt wird die Ermittlungen wider aufnehmen und dem Beschwerdeführer einen neuen Bescheid erteilen, falls keine Anklage erhoben werden sollte.

Im Auftrag

Honnecker
Leitender Oberstaatsanwalt

Montag, 22. März 2010

Leserbriefe in der Offenbach Post zum Langener Kreuz-Urteil


Als Reaktion auf den Offenbach-Post-Artikel „Gericht weist Kreuz-Klage zurück“ vom 13.02.2010 erschienen in derselben Zeitung bislang drei Leserbriefe, die im folgenden dokumentiert seien:


***


Leserbrief, 19.02.2010:


„Sind tief gesunken“

Unabhängig von dem Grund der Klage oder dem (vorläufigen) Ausgang des Prozesses stört mich an dem Bericht des Herrn Löw die Aussage, dass die Richterin Prass während der Verhandlung stets von einem „Holzelement“ gesprochen hat.

Nachdem eine Grüne vom Amtsgericht Langen bestätigt bekam, dass in ihrem Beisein kein Kreuz mehr im Sitzungszimmer des Kreishauses hängen darf, darf wohl nun auch im Amtsgericht Langen ein 1,40 Meter hohes Holzkreuz nicht mehr „Kreuz“ genannt werden!

Wie tief sind wir gesunken!

Karl P. Sturm
Rödermark/Urberach

***

Leserbrief,  02.03.2010:


Kritik an Richterin

Als Anwesende beim Langener Amtsgerichtstermin in der Angelegenheit um die Kreuz-Klage fand ich es unverständlich, dass die amtierende Richterin der Gestaltung der Scheunenwand des Klägers diesem grundsätzlich zustimmte, aber im gleichen Atemzug in der absurden Vier-Minuten-Verhandlung nicht vom Hausfriedensbruch des Nachbarn mit dessen eigenmächtigem Vergreifen an fremden Eigentum sowie dem unerlaubten Entfernen des Kreuzes sprach!

Dem Kläger wurde nicht die Möglichkeit eingeräumt, den Sachverhalt so darzustellen, dass seine Scheunenwand teilweise einen Abstand von 25 Zentimetern zur Grundstücksgrenze vorweist. Vom Eingriff in das Persönlichkeitsrecht nach dem Grundrecht Artikel 2,1 war seitens der Richterin auch keine Rede.

Diese Vier-Minuten-Verhandlung hinterließ bei den meisten Zuhörern Verwunderung, Sprachlosigkeit und Kopfschütteln, verbunden mit Fragen, wie heute von so genannter richterlicher Obrigkeit mit meines Erachtens willkürlichen vorgefertigten Entscheidungen ge/verurteilt wird. Sieht so unsere Rechtsprechung aus?

Monika Schmidt
Dreieich/Sprendlingen

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Unter der Überschrift

Sorge um Wert des Kreuzes

veröffentlichte die Offenbach Post am 18.03.2010 einen Leserbrief von Oskar Rembow und Werner Spamer. Die Offenbach Post druckte den Leserbrief leicht gekürzt (ohne die Aussage des Briefes zu beeinträchtigen). Da die Leserbriefschreiber mir ihren Brief zur Verfügung gestellt haben, veröffentliche ich hier den Leserbrief in ungekürzter Form:

Leserbriefe in der OP vom 19.2. und 2.3.2010 nahmen Stellung zu der Verhandlung des Amtsgerichtes in Langen, zu deren Verlauf die Unterzeichner im Nachgang Bezug nehmen.

Verhandelt wurde damals über das „Scheunen-Kreuz“, das der Eigentümer für alle sichtbar an seiner Scheunenwand zum Nachbarn hin angebracht hatte. Von diesem wurde es in der Karwoche 2009 entfernt und damals über das Tor in den Hof des Besitzers geschmissen.

Dem sorgfältigen Leser der OP wird es darüber hinaus nicht entgangen sein, dass die die Verhandlung autoritär führende und auf kein Argument des Klägers eingehende Richterin, Frau Kerstin Prass, im Verlauf der nur wenige Minuten dauernden Gerichtssitzung – aus welchen Gründen auch immer – das Wort „Kreuz“ nicht in den Mund nahm. Das Zeichen der Christenheit hatte sie für alle aktiven Christen beleidigend und letztlich diffamierend mehrfach als „Holzelement“ bezeichnet.

Der an der Gerichtsverhandlung als Zuhörer teilnehmende kath. Pfarrer der St. Gallusgemeinde in Urberach, noch seine geistlichen Mitbrüder im Dekanat und darüber hinaus, die mittlerweile sicherlich auch über den Verlauf der Verhandlung informiert sind, haben bis heute keine öffentliche Stellungnahme zu der beschämenden Aussage der Richterin über das Kreuz abgegeben. Zum Bedauern vieler Christen schweigt man sich aus. – Schade!

Angesichts der im Raum stehenden Problematik haben die Unterzeichner folgende Fragen: Wie ist es fortan in der Öffentlichkeit um den Stellenwert des Kreuzes bestellt? Wie lange noch lassen Christen das über sich ergehen? Was sagt unsere „Amtskirche“ zu dieser Kreuzesverhöhnung?

Wir – sicherlich auch andere Christen – erwarten eine Antwort. Schweigen aus Toleranz – aus welchen Gründen auch immer – hat sich in letzter Konsequenz noch nie gelohnt.

Oskar Rembow / Werner Spamer
63322 Rödermar